Wo die Hündin begraben liegt
Schweden legen viel Wert auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Viele Schwedinnen sind mit zwei oder drei Kindern berufstätig und können darauf rechnen, dass auch mal ihr Partner zu Hause bleibt, wenn das Kleine krank wird. Trotzdem ist für die meisten Berufsbezeichnungen und auch für Wörter wie „Autofahrer“ oder „Student“ nur eine Form gebräuchlich: die männliche. Kaum eine Schwedin fühlt sich deswegen diskriminiert.
In Deutschland werden hingegen immer neue Wege gefunden, die Gleichberechtigung mittels der Sprache auszudrücken. Erst war die Rede von Studentinnen und Studenten, dann etablierten sich die StudentInnen und die Studierenden. Zum Wörtchen „man“ gesellten sich „frau“ und sogar „mensch“. Auch die „Gästin“ wurde schon gesichtet. Die Emanzipation, pardon: die Efrauzipation schreitet munter voran. Während die Studentinnen vor achtzig Jahren in der Unterzahl waren, schreiben sich inzwischen fast so viele Frauen wie Männer an den Hochschulen ein. Ist das auch ein Erfolg derer, die auf das groß geschriebene „I“ in StudentInnen pochen? Die damit zeigen wollen, dass alle gemeint sind – nicht nur die männlichen Kommilitonen?
Über diese Frage lässt sich trefflich streiten. Leider verliert die Sprache, zumal in journalistischen Texten, durch das große I, durch die „Studentinnen und Studenten“ und die „Studierenden“ an Kraft. Diese Formulierungen klingen umständlich. Das geschriebene Deutsch entfernt sich vom Alltag – denn wer redet schon privat, wenn er am Mittagstisch sitzt – über „Bürgerinnen und Bürger“? Da bevorzugen die meisten Menschen wohl die „Bürger“. Auch der Querstrich stiftet Verwirrung, etwa, wenn von „jede/r Student/in, der/die sich seine/ihre Betreuer/in aussuchen darf“ die Rede ist. Wie sollen Ausländer das verstehen? Und wie sollte ein Radiosprecher diesen Satz sagen?
Auch fällt auf, dass zwar über „Steuerzahlerinnen und Steuerzahler“ geschrieben wird, aber kaum über „Steuersünderinnen und Steuersünder“. Es gibt „Wählerinnen und Wähler“, aber nach „Verbrecherinnen und Verbrechern“ sucht der Leser zumeist vergeblich. Dabei hinterziehen natürlich auch Frauen Steuern und begehen Straftaten. Also: Her mit den Neanderthalerinnen, den Idiotinnen und Wiederkäuerinnen! Wo wir schon eine Päpstin haben (zumindest im Buch und im Kino), sollten wir auch Gläubiginnen haben. Lassen Sie sich bloß keine BärIn mehr aufbinden. Wenn schon Gleichberechtigung, dann richtig. Da liegt die Hündin begraben.
Ihre
Josefine Janert

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