Es will mer net in de Kopp enei

Verstehen Sie diesen Satz? Ja? Prima. So sprechen die Leute in Frankfurt am Main. Nicht alle, aber wenigstens ein paar Einheimische. Auch Goethe soll hessisch gefärbt gesprochen haben. Manchmal taucht Dialekt nun in den Medien auf. Das ist gut so. Er sollte viel öfter vorkommen. Er kann die Zeitungssprache lebendiger machen. Eine Reportage über einen Bauernhof in Bayern oder ein Reisebericht über das Erzgebirge überzeugen erst recht, wenn der Autor die Menschen, die er getroffen hat, so reden lässt wie sie in ihrem Alltag reden.

Dialekt hat Charme. Dialekt wirkt ehrlich. Dialekt ist das Gegenstück zum Behördendeutsch, zum Wirtschaftskauderwelsch, zur bisweilen schwer verständlichen Wissenschaftssprache. Es ist fast unmöglich, politische Phrasen in eine Mundart zu übersetzen. Wer es versucht, macht sich lächerlich wie der gebürtige Leipziger Walter Ulbricht, dessen kreischende Stimme vielen älteren Leuten im Gedächtnis geblieben ist und der den guten Ruf des Sächsischen mit seinen Reden auf viele Jahre ruiniert hat.

Viele bedeutende Schriftsteller lieben den Dialekt. Kurt Tucholsky berlinerte, die Leipzigerin Lene Voigt sächselte – um nur zwei Autoren des 20. Jahrhunderts zu nennen. Die Gebrüder Grimm schrieben einige schöne Märchen in der Mundart auf. Dialekt ist salonfähig in der Literatur, ja: er kann sie adeln. Warum also sollten Journalisten darum einen Bogen machen?

Die Sprache der Medien strotzt vor abgegriffenen Formulierungen, Worthülsen und miserablen Übertragungen aus dem Englischen. Dialekt klingt allemal besser. Journalisten, die ihn beherrschen, können mit ihren Glossen und Reportagen Leser aus der Region ans Blatt binden. Ein Radiobeitrag, der in Hannover gesendet wird, darf gern anders klingen als einer in München. Auch in überregionalen Programmen soll Dialekt durchaus vorkommen. Es gibt Schrecklicheres als Sprecher, denen ihre Mundart anzuhören ist: Sprecher, die lispeln, die undeutlich reden, die fast gar keine Stimme haben. Dann lieber kerniges Bayerisch oder gemütliches Fränkisch. Das macht froh.

Ihre

Josefine Janert