Ganz am Anfang große Meilensteine

Der Mensch hat es im Leben nicht immer leicht. Ganz am Anfang muss er sich an großen Meilensteinen orientieren. Es kann ihm dann passieren, dass er in etwas fremdartige Situationen kommt, die ihn sehr sehr überraschen. In manchen Jobs wird er absolut schlecht bezahlt sein; da ergeht es ihm aber nicht anders als unendlich vielen Leuten. Zuweilen steht er vor einem tiefen Abgrund. Dann aber strahlt ihm der helle Horizont entgegen. Das ist doch etwas hoffnungsvoll.

Auch mit der deutschen Sprache ist es nicht ganz einfach. Sie hält etliche Füllwörter bereit, dem man nur schwerlich widerstehen kann, aber unbedingt widersagen sollte. Der Anfang ist der Anfang, das Ende das Ende. Ganz am Anfang und letztendlich sind Doppelungen. Ein sehr sehr schöner Mann sieht nicht besser aus als ein schöner Mann. Die zutiefst gefühlte Trauer ist nicht unbedingt stärker als Trauer schlechthin.

Die Bildhaftigkeit bringt es mit sich, dass ein Abgrund immer tief ist und der Horizont für Weite steht, für ungeahnte Möglichkeiten. Meilensteine sind Meilensteine, sie sind weder klein noch groß, sie bedürfen keines weiteren – in der Steigerung nur schmälernden – Attributs. Absolut schlecht bezahlt wird der schlecht bezahlte Arbeitnehmer, und zutiefst empfundene Trauer entspringt dem subjektiven Bedürfnis, Leid stärker auszudrücken. Doch auch die superlativisch ausgedrückte „allerallertiefste“ Trauer drückt nicht mehr aus als Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen.

Adjektive stehen für sich. Auch die abgenutzten Eigenschaftswörter „schön“ oder „nett“ gewinnen mit „Schminke“ wie „unendlich“ oder „total“ nicht an Ausdruckskraft. Im Gegenteil: Gedopt und aufgepeppt verlieren sie ihre Wirkung. Immer noch hat der jahrtausend alte Satz „Ich liebe dich“ seine ursprüngliche Wirkung. Er wird nicht besser, wenn man „wahnsinnig“ oder „wie verrückt“ liebt. Ganz ganz ehrlich.

Ihre

Martina Dreisbach