Betonte Äpfel und eingeräumter Most

„Es war ein grandioser Apfelsommer“, erklärt der hessische Landwirt. „Wir haben dieses Jahr 20 Zentner Äpfel geerntet“, betont seine Ehefrau. „Wir hatten nach der Ernte schweren Muskelkater“, verrät der Sohn. „Ich dachte, mir bricht das Kreuz durch“, seufzt die Großmutter. „Ja, aber wir hatten auch großen Spaß dabei“, steuert die Tochter bei. „Im Aroma ist der Saft unschlagbar“, lächelt der Landwirt glücklich. „Dieser Jahrgang wird für lange Zeit unschlagbar sein“, ist sich die Bäuerin sicher. „Das war eine Jahrhunderternte“, glaubt der Lehrling.

Variatio delectat, Abwechslung tut noch jedem Text gut. Aber gerade bei dienstbaren Verben, die Zitaten folgen, muss sich der Journalist nicht anstrengen. Am besten, weil unauffällig, unangestrengt und vor allem richtig, ist immer noch das Verb „sagen“. Varianten sind durchaus möglich, etwa „berichten“, „äußern“ oder „erzählen“, zuweilen auch „meinen“ oder „vermuten“. Man kann sich ebenfalls der Wendung „so XY weiter“ bedienen, aber nicht zu häufig.

Die häufig anzutreffende Verlegenheitsumschreibung „einräumen“ ist fehl am Platz, denn man räumt einen Schrank ein, allenfalls einen Fehler, aber kein Zitat. Ein Lehrer kann einen Sachverhalt „erklären“, ein Schüler ein spezielles Wort in einem Satz „betonen“. Mitunter „verrät“ ein Kind ein Geheimnis. Doch noch niemandem ist es gelungen, einen Satz zu „lächeln“ oder gar zu „seufzen“. All diese Umschreibungen wirken bemüht. Die vermeintliche Abwechslung lenkt von den Zitaten ab und zuweilen in eine unpassende Begriffswelt: „Beisteuern“ gehört in die Seemannssprache, „gestehen“ ins Gerichtswesen. Nicht anders ist es mit „glauben“, „hoffen“ oder gar „denken“; all das vollzieht sich im Kopf.

Zitate spielen eine wichtige Rolle im Text. Dass sich der Befragte seiner Antwort „sicher ist“, setzt der Journalist voraus. Doch auch Attribute lassen sich in – wohl überlegter Dosis – unterbringen. „Nach Lektüre dieser Glosse bin ich klüger“, sagten alle überzeugt – und hoffentlich lächelnd.

Ihre

Martina Dreisbach