Fehlerteufel ade
Der Fehlerteufel hat viele Nachkommen, Fehlerteufelchen, allesamt mit der gleichen hässlichen Fratze wie der Papa. Besonders häufig tauchen Fehlerteufel und Fehlerteufelchen im Internet auf, denn es verleitet dazu, von anderen Autoren abzutippen, ohne die Fakten und die Schreibweise zu überprüfen. Dort geistert die seltsam klingende eingedeutschte Version der englischen Redewendung „Trial and Error“ (Versuch und Irrtum) herum: „Try and Error“. Aus der norwegischen Eiskunstläuferin Sonja Henie wird fälschlicherweise Sonja Hennie und aus dem letzten DDR-Staatsoberhaupt Erich Honnecker. Der Stasi-Chef mutierte zu Erich Miehlke. Pech für Henie, Honecker und Mielke, mag der Leser denken, halb so schlimm, nächstes Mal klappt's vielleicht besser. Doch derlei Fehler sind ärgerlich. Der Gipfel der Peinlichkeit ist erreicht, wenn sich der Journalist als Fachmann auf dem Gebiet ausgegeben hat.
Wenn der Literaturredakteur einem die Rezension über Rainer Kunzes Buch nicht abnimmt, liegt das vielleicht daran, dass der Schriftsteller mit Vornamen Reiner heißt. Hinter dem Kürzel VDI verbirgt sich der Verein Deutscher Ingenieure, nicht der Verband, wie manche denken. Redaktionen wollen in der Regel Leute beschäftigen, die etwas von ihrem Sachgebiet verstehen. Und die gründlich recherchieren. Das kann ihnen niemand verdenken. Richtig brenzlig wird es, wenn der Autor in seinem Artikel Personen oder ein Unternehmen angreift. Baut die Kritik auf einer falschen Zahl oder einem Sachverhalt auf, den der Journalist nicht richtig verstanden hat, kann er sogar vor den Kadi gezerrt werden.
Zwar enthalten bisweilen auch Lexika und Nachschlagewerke Fehler, doch sie sind in der Regel verlässlich, sofern sie von angesehenen Verlagen herausgegeben wurden. Auch das Internet ist nützlich, wenn ich weiß, woher die Angabe stammt und dass die Quelle seriös ist. Zitate, etwa aus einem Weblog, sollten hundertprozentig dem Original entsprechen, also lieber noch mal Wort für Wort gegenlesen, ob's stimmt. Am besten ist es, die ursprüngliche Quelle zu finden – also nicht beim Autor C abschreiben, was dieser bei B und jener bei A gefunden hat. Fehlerteufel ade!
Ihre
Josefine Janert

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