Umfrage: "Journalismus 2020" – Journalisten mit optimistischer Prognose
Die überwiegende Mehrheit der Journalisten glaubt an die digitale Zukunft der Medien, das ist ein zentrales Ergebnis einer vom Berliner Think Tank stiftung neue verantwortung in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen IFOK durchgeführten Umfrage, an der sich 800 Redakteure und freie Journalisten beteiligten.
Ein weiteres überraschendes Ergebnis: trotz Etatkürzungen, Lohndumping und Redaktionszusammenlegungen würden sich fast 80 Prozent wieder für ihren Beruf entscheiden.
Hinsichtlich der Zukunft der eigenen Zunft fürchtet allerdings der Großteil aller Befragten (84 Prozent), dass der wirtschaftliche Druck Kreativität und Motivation gefährdet. Beklagt wird zudem der zunehmende Einfluss der PR (63 Prozent) sowie das schlechte Management von Medienunternehmen (56 Prozent). 45 Prozent der Befragten geben zudem an, die Planungen ihres Medienhauses für die Zukunft nicht zu kennen.
Chancen gibt es im Zeitalter der Digitalisierung aber genug: 47 Prozent der Befragten erwarten, dass die Verlage Ende des Jahrzehnts mehr Geld im Internet umsetzen werden als mit ihren Print-Produkten. Zwar glaubt nur eine Minderheit an den Durchbruch von allgemeinen Bezahlschranken (27 Prozent), Einzelzahlungen wie Crowdfunding und Social Payments (14 Prozent) bzw. Micropayments (36 Prozent) oder Online-Abos (38 Prozent). Eine Mehrheit von 62 Prozent sieht hingegen in Bezahl-Apps große Potenziale, auch im Netz mit Journalismus gutes Geld zu verdienen.
Ein weiteres Ergebnis: Das oft vorhergesagte Sterben großer Medienmarken halten die meisten Journalisten für eine Mär. Knapp 80 Prozent jedenfalls glauben an das Fortbestehen von „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“ und „Süddeutscher Zeitung“ als Printmarken über das Jahr 2020 hinaus. Da der Markt nach Meinung der Befragten trotzdem bestimmte Inhalte (insbesondere kosten- und personalintensive Segmente wie Lokal- und Auslandsjournalismus oder investigative Recherche) nicht mehr ausreichend bereitstellen kann, zeigen sich die Befragten gegenüber alternativen Finanzierungswegen und neuen Journalismusmodellen aufgeschlossen. Über 85 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass gemeinnützige Journalismusprojekte, die sich durch Stiftungsgelder bzw. Spenden finanzieren, einen sinnvollen Beitrag zum journalistischen Angebot leisten können. Die amerikanische Recherche-Plattform Pro Publica hatte dieses Jahr bereits zum zweiten Male den renommierten Pulitzer-Preis erhalten. Für fast 60 Prozent können solche Modelle als „Innovationsmotor“ wichtige Impulse für die Branche liefern. Das größte Potenzial wird dabei im „investigativen Journalismus“ (70 Prozent), „Datenjournalismus“ (58 Prozent) und „kollaborativen Journalismus“ (57 Prozent) gesehen.
Die vollständigen Ergebnisse zum Forschungsprojekt "Journalismus 2020" werden im Herbst dieses Jahres präsentiert. Die Pressemitteilung zur Vorstellung der ersten Ergebnisse finden Sie hier, bereits zum jetzigen Zeitpunkt veröffentlichte Ergebnischarts hier.

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